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Ausgezeichnete Sicherheit für das Internet der Dinge
Smarte Telefone und Fitness-Uhren, virtuelle Sprachassistenten oder intelligente Strom- und Wasserzähler – sie alle haben etwas gemeinsam: Sie sind mit dem Internet vernetzt. Das macht sie doppelt verletzlich, physisch wie digital. „Ob Hacker-Angriff oder Hammerschlag – beides kann dieselbe Auswirkung haben“, sagt Prof. Dr. Christian Zenger. Im Ergebnis kann dies bedeuten: Nichts geht mehr. Mit seinem Deep Tech-Unternehmen PHYSEC hat sich der 38-Jährige das Ziel gesetzt, eben solche Geräte zu schützen und damit das sogenannte Internet der Dinge, zu dem sie gehören, sicherer zu machen.
Mit den technischen Entwicklungen von PHYSEC schützen sich vor allem Unternehmen und Städte. Denn kommunale und staatliche Strom-, Gas- und Wärmeversorgungen, von denen Millionen Menschen abhängig sind und deren Ausfall extrem kritisch sein kann, sind zunehmend beliebte Angriffsziele. „Wir werden von immer mehr Branchen angesprochen, zum Beispiel von Anbietern von Mobilfunknetzen oder von Betreibern von Ladeinfrastruktur“, schildert Christian Zenger. Durch den rasanten Anstieg von Gegenständen und Anlagen, die mit dem Internet vernetzt sind, nehmen auch die möglichen Angriffsziele exponentiell zu. Experten wie Prof. Dr. Christian Zenger und sein Mitgründer Dr. Heiko Koepke sprechen von OT: Operational Technology. Dahinter verbergen sich Hard- und Software-Systeme, um große Maschinen und Anlagen wie Umspann- oder Heizkraftwerke zu steuern. Zwar gibt es nach wie vor auch klassische Sabotage oder unnötigen Vandalismus, aber „die größten Gefahren kommen aus dem Internet“, weiß Christian Zenger. „Hier gilt es, nicht die Fehler aus der IT auch im Internet der Dinge zu wiederholen!“


Doppelte Verletzlichkeit
Ob Hacktivist*innen, Kriminelle oder von ausländischen Staaten finanzierte Angreifer*innen: Alle drei Gruppen haben den Überraschungsvorteil auf ihrer Seite, greifen anonym aus dem Netz an, haben so ein geringes Sicherheitsrisiko. Und auch wenn die staatlich finanzierten Täter*innen über Spezialausrüstung und einen regelrechten Schlachtplan – einen verzweigten „Attack Tree“ mit mehreren Wegen zum Ziel – verfügen: Auch sie wählen gerne den einfachsten Weg über Bestechung oder Erpressung. Das Ziel ist meist, einen Teil der Anlagen erfolgreich anzugreifen und einen Dominoeffekt auszulösen, um den Ausfall des gesamten Systems zu erreichen, „oder direkt die gesamte Anlage quasi per Tastendruck oder Mausklick herunterzufahren“, so Christian Zenger.
Um sich gegen cyber-physikalische Angriffe zu schützen, rüsten viele Unternehmen, darunter städtische und regionale Versorger, nach – entweder aufgrund schmerzhafter eigener Erfahrungen bzw. bekannt gewordener Sicherheitsunfälle vergleichbarer Firmen. Oder weil neue Gesetze, zum Beispiel auf EU-Ebene, ihnen dies auferlegen. Viel weniger mühsam und kostensparender wäre es, die Sicherheit von Anfang an mitzudenken, sie gleich einbauen zu lassen oder – noch besser – sie serienmäßig verbaut schon einzukaufen.
Zweifach geschützt
„Security by Design“ nennt PHYSEC dies und hat dafür einen Chip entwickelt, der bereits serienmäßig in OT und IoT-Geräten (Internet of Things) verbaut wird oder nachgerüstet werden kann. Dieser Chip kann unter anderem dank einer Mini-Radaranlage sich selbst und die Installationsumgebung des Objektes, in dem er verbaut ist, dreidimensional vermessen und feststellen, ob und wann das vernetzte Gerät manipuliert wurde. So erweitert PHYSEC den unter anderem dank starker Krypto wirksamen digitalen Schutz, den der Chip bietet, auch auf die Physik der überwachten Geräte und Anlagen, in denen er steckt. Für diese Kombination steht der Firmenname. „Denn Cybersecurity allein reicht nicht“, weiß Christian Zenger. „Sie zu hacken, bleibt ein Katz-und-Maus-Spiel.“
Eine Technologie aus der Physical Layer Security, die aktuell mit Herstellungskosten von 1,50 Euro für den Chip längst bezahlbar ist und die ein nachträglich installiertes, dadurch meist teures Sicherheitssystem unnötig macht. „Wenn aber ein digitaler Stromzähler 20 bis 25 Euro kostet, kann dies für einen Gerätehersteller immer noch zu teuer sein“, beschreibt Christian Zenger die hohe Preissensitivität des Marktes. Perspektivisch sinken die Herstellungskosten für den Chip jedoch weiter und steigt die Attraktivität von „Security by Design“.
Die Entwicklungen von PHYSEC sind x-fach mit Preisen ausgezeichnet. So gab es nach dem Deutschen IT-Sicherheitspreis auch den Start-up Award der European Cyber Security Organisation (ECSO). Das Bundeswirtschaftsministerium kürte das 2016 gegründete Unternehmen 2018 zum „Digitalen Start-Up des Jahres“ und die renommierte MIT Technology Review zeichnete Christian Zenger als „Innovator 2018“ aus. Eine Auszeichnung, die in Tech-Gründer-Kreisen als extrem hochkarätig geschätzt wird und die unter anderem auch der Technikchef von Tesla, Jeffrey B. Straubel, erhielt.

Erstklassig aufgestellt
An der Ruhr-Universität Bochum (RUB) forscht und lehrt Christian Zenger seit 2012 an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik. Als Professor für „Secure Mobile Networking“ will er Student*innen vermitteln, wie sie ihr Forschungswissen in der Industrie anwenden können. Zuvor hatte er am Horst-Görtz-Institut (HGI) promoviert und dafür Boston den Rücken gekehrt.
„Das Cyber-Security-Eco-System in Bochum ist relativ einmalig“, sagt Christian Zenger. Das Netz aus Akteuren wie dem Horst-Görtz-Institut für IT-Sicherheit, dem Max-Planck-Institut für Sicherheit und Privatsphäre oder einem Gründungsinkubator wie CUBE 5 „macht Bochum zu einem der drei weltweit wichtigsten Standorte für dieses Forschungsgebiet, in Europa zum einzigen Standort.“ Die RUB verfüge zudem über ein starkes Transfersystem, das zukunftweisende Start-Ups entstehen lasse. Im HGI stand auch die Wiege von PHYSEC. Was Bochum als Standort darüber hinaus interessant macht? „Stärken erkennen und ausbauen, darin ist Bochum gut“, betont Christian Zenger. „Man ist hier erstklassig aufgestellt.“
#darumBochum: Prof. Dr. Christian Zenger

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FBZ
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